Schlagwort: Bilderbücher

ELOISE von Kay Thompson

Die Originalausgabe erschien 1955 bei Simon & Schuster, New York.

Ein hinreißendes, überaus originelles Buch der Eloise Reihe aus dem Jahre 1955, welches in lediglich 2 Farben großzügig Esprit und Glamour versprüht. Es schildert die Geschichte der kleinen Eloise, die mit ihrem Kindermädchen im berühmten Plaza Hotel wohnt, während ihre Mutter viel auf Reisen ist, und dieses auf die ein oder andere kreative Art und Weise zu ihrem Spielplatz macht.
Authentisch bis zum Abwinken und mit wahnsinnigen Illustrationen von Hilary Knight, die an Lebendigkeit und Lässigkeit nicht zu überbieten sind.
Ein Augenschmaus für Menschen, die leichte, wie aus dem Handgelenk geschüttelt wirkende Federzeichnungen lieben.
Ein Meisterwerk.

KNIGI von Benjamin Sommerhalder

Erstmals 2011 bei NIEVES, Zuerich unter dem Titel „Ghost Knigi“,
2014 nun  bei DIOGENES, als schlicht und einfach „Knigi“ erschienen.

Text und Bilder von Benjamin Sommerhalder.

Knigi ist ein Buch, von dem ich eigentlich dachte, dass es sich um einen Klassiker handelt, der mir bereits aus den 80er Jahren vertraut war. So war ich denn auch recht überrascht, dass dieses Buch tatsächlich von 2011 ist. Als ich das Buch dann in den Händen hielt, war ich zum Schluss der Lektüre erst einmal ein wenig enttäuscht, da ich aufgrund der starken Bilder eine überraschendere und lustigere Geschichte erwartet hatte. Erst bei der wiederholten Lektüre wurde mir die Rundheit und Schönheit des Buches offenbar. Die Geschichte ist denkbar kurz und sehr simpel: Ein Geist entdeckt die Fähigkeit, mit Hilfe seiner Fantasie, oder seiner Träume weiße Bücher mit bunten Farben zu füllen. Klingt eigentlich etwas zu didaktisch um den Stoff einer anständigen Geschichte abzugeben. Klingt eigentlich auch recht kitschig.

Dennoch muss man gestehen, dass das Buch dank seiner zeitlos schönen Illustrationen, die ein wenig an die mittlerweile leider inflationär gebrauchte Ästhetik des wunderbaren David Shrigley erinnern, durchaus einen Gewinn darstellt. Dies gelingt dem Buch auch durch den zwischen den Zeilen sympathisch zurückhaltenden Wortwitz, welcher Knigi zu einem kleinen Geniestreich und vielleicht auch einmal zu einem Klassiker macht.

In Zeiten der Übersättigung, der lauten Töne und schrillen Farben, denen sich auch die Kinder pädagogisch gebildeterer Schichten nur schwer erwehren können, hat es das schwarz/weiss Gespenst Knigi vermutlich schwer, sich im Kinderzimmer durchzusetzen. Aber das will der Geist auch gar nicht – er spukt einfach leise und homöopathisch durch die nur halb bewussten Kapillare der kindlichen Seele und hinterlässt dort eine Botschaft, die einmal ganz gewiss aufgehen wird.

DER DRACHE VON AVIGNON von Heidrun Petrides und Jürgen Tamchina

Erschienen 1968 im Atlantis Verlag.
Bilder von Heidrun Petrides, Text von Jürgen Tamchina

Ein besonderes und unprätentiöses Buch. Die Bilder von Heidrun Petrides sind schlicht und wirken trotz vieler liebevoller Details angenehm unaufdringlich und bescheiden. Hier gibt es keine Effekte und lauten Farben und dennoch gelingt es den Illustrationen zu verzaubern und in eine längst vergangene Welt zu entführen. Die Geschichte handelt unter anderem von eben jener Brücke von Avignon, von der auch das berühmte Lied Sur le pont d´Avignon handelt. Im wesentlichen geht es aber um die Freundschaft eines kleinen Mädchens zu einem nicht ganz furchtbaren Drachen.

IL GRANDE GATTO von Sabine

IL GRANDE GATTO von Sabine ist bei Emme Edizione erschienen.

Das Buch wurde in Italien im Jahr 1973 herausgegeben und ist offenbar seither nicht wieder publiziert worden. Überhaupt findet man kaum Informationen über das Buch oder die Illustratorin mit dem schlichten Namen Sabine.

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Beeindruckend an diesem Bilderbuch sind die zeitlos schönen, naiven und liebevoll gearbeiteten Bilder. Vor allem fällt die ungewöhnliche Wahl der Perspektiven auf. Die ungewöhnlichen Blickwinkel überzeugen  genauso sehr wie die phantasievollen Größenverhältnisse. Die Farben sind sehr kräftig und pur, sie schaffen eine überaus eigene und ausdrucksstarke Stimmung. Die Figuren wirken seltsam steif, beinahe wie eingefroren in ihren Bewegungen und muten gerade deshalb sehr lebendig an. Auch dieses Buch hat wie ich finde eine selten anzutreffende Ursprünglichkeit, etwas beinahe archaisches, kraftvolles mit einer wohldosierten Priese Augenzwinkern und Humor. Alles erscheint hier wunderbar aus einem Guss und so erstaunt es nicht im Geringsten, dass Il Gato im Jahre 1973 rote Turnschuhe trägt, einer Zeit als Converse`s All Stars noch wenig en vogue waren.

Ich danke Valentina Gazzoni vom Kinderbuchblog L´Aeroplaneo di Biscotto, die die folgenden Abbildungen freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

IL GRANDE GATTO

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MILLIONS OF CATS von Wanda Gag

Erschienen 1928 bei Coward-McCann Inc.

Ein weiterer amerikanischer Klassiker: Wanda Gags unnachahmlich eigensinnige Illustrationen sind sicherlich wieder einmal etwas für Liebhaber einfacher, aber mit autentischem Strich gezeichneter (teilweise mit Linolschnitt gefertigter) Bilder.
Die Geschichte ist seltsam und überraschend – und im besten Sinne ein wenig verrückt: Ein alter Mann geht auf die Suche nach einer Katze für sich und seine Frau. Statt lediglich eine Katze, findet er Millionen und sogar Billionen und Trillionen von Katzen, die ihm alle gefallen. Da er sich jedoch nicht für nur eines der Kätzchen entscheiden kann, nimmt er kurzentschlossen gleich alle mit – eine eigentlich gute Wahl, wenn es nicht letztlich doch gewisse Probleme mit sich brächte…

Millions of Cats ist das älteste amerikanische Bilderbuch, welches bis heute gedruckt wird.

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MISS RUMPHIUS & HATTIE AND THE WILD WAVES von Barbara Cooney

Viking Books, 1982 und 1990.

Barbara Cooneys wunderbare Kinderbücher werden immer wieder zu Recht mit dem Sammelbegriff der Folk Art in Verbindung gebracht. Nicht nur die liebevoll detailierten Bilder im Stil des naiven Realismus legen diese Verbindung nahe; auch die Geschichten spielen meist auf dem Land und das zu einer Zeit, in der die Welt noch mit den einfachen und wesentlichen Dingen des Lebens auskam. Die Darstellungen wirken auf sonderbare Weise wie aus der Zeit gefallen.

So wenig modern die Bilder und Geschichten auch wirken mögen, sie sind doch absolut zeitlos, ohne jeden Manierismus und – wie alle Bücher die ich hier vorstelle – in Bezug auf das Zusammenspiel von Bild und Text wohl komponiert, wie aus einem Guss.

Die Bücher, die ich besitze und beide sehr liebe, sind das mit dem überaus renommierten National Book Award ausgezeichnete „Miss Rumphius“ und das etwas weniger bekannte „Hattie and the wild waves“.

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WIR KÖNNEN NOCH VIEL ZUSAMMEN MACHEN von Friedrich Karl Waechter

Erschienen bei Diogenes, 1978.

Friedrich Karl Waechter, einer der ganz großen deutschen Künstler im Bereich Kinderbuch und überhaupt. Ob Brülle ich zum Fenster raus, Der rote Wolf, Opa Huckes Mitmachkabinett oder eben Wir können noch viel zusammen machen:  Waechter ist nicht nur eine Institution in Sachen Antiautoritäre Erziehung, sondern auch schlicht und einfach ein großartiger Zeichner, melancholische Witze-  und Geschichtenerzähler.

Waechter ist zeitlos und tut allen Kindern gut! Wer noch keinen hat, sollte sich einen besorgen!

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DER STRUWWELPETER von Atak und Fil

Kein & Aber Verlag, Zürich – Berlin, 2009

Seit dem ersten Erscheinen des Struwwelpeters 1854 ist der internationale Bestseller in vielen Variationen erschienen: als vielfältige Parodie des autoritären Struwwelpeters, in Form zahlreicher Adaptionen und in verschiedenen Comic Versionen; in den 1970er Jahren dann auch als Zeitgeist geprägter  Anti-Struwwelpeter von Friedrich Karl Waechter.

Eine in Text und Bild liebevolle Coverversion des Struwwelpeters erschien 2009 bei Kein & Aber: Die Texte von Fil sind auf humorvolle Weise subtil hintergründig, die Illustrationen von Atak von beeindruckender künstlerischer Qualität. Ein toller Struwwelpeter, mit fantastischen Geschöpfen, die die Struwwelwelt bunt und wild und auf immer wieder überaus  überraschende Weise bevölkern. Das Buch ist für Kinder ab etwa 6 Jahren verständlich, viel Freude an den vielen Details in Text und Bild werden aber auch die künstlerisch versierten Eltern an diesem Buch haben.

atak_struwwelpeter_3dstruwwel_innen_4.inddstruwwel_innen_4.inddstruwwel_innen_4.indd©2009 by Kein & Aber, Zürich – Berlin

DAS KIND UND DIE KATZE von Ingrid Bachér und Rotraut Susanne Berner

Edition Büchergilde, Tolles Heft Nummer 33 von 2010

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Auch wenn die verschieden Definitionen des Surrealismus sicherlich Spielräume der interpretation zulassen, würde ich das Kinderbuch „Das Kind und die Katze“ nicht als surreal bezeichnen. Die von Andre Breton so berühmte Definition des Surrealen als „zufällige Begegnung zwischen einem Regenschirm und einer Nähmaschine auf einem Seziertisch“ ziehlt in eine etwas andere Richtung, auch wenn wir es hier mit einer Geschichte zu tun haben, in der der Traum und besonders das Einschlafen selbstverständlich die Hauptrolle spielt.

Aber der Traum ist in diesem Fall eher phantastisch als surreal, er verschiebt die bestehenden Verhältnisse, ohne sie jedoch gänzlich umzuwerfen. In diesem Buch sind sowohl die kindliche Phantasie, als auch die Mechanismen des Träumens an sich treffend beschrieben; auch wenn man die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit hier oft schwer zu ziehen vermag. Aber gerade diese Tatsache gibt der Geschichte ihren künstlerischen Reiz.

Wo der Text von Ingrid Bachér aus den 60er Jahren für die kindliche Auffassung etwas stärker ins Irrationale zu kippen droht, bringen die geheimnissvollen und zeitlosen Illustrationen von Rotraut Susanne Berner sie auf sanfte Weise wieder ins Gleichgewicht und ergänzen ihn auf wundervolle Weise mit eigenen Elementen zu einem wirklichen Bilderbuch-Kunstwerk.    Insgesamt ein wahrlich rätselhaftes und zauberhaftes Buch.Bacher ohne Text_Seite_06

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Bacher ohne Text_Seite_10© Rotraut Susanne Berner